Kurze Antwort: Die 10-Tage-Regel für Rabatte in der Türkei verlangt seit dem 1. August 2026, dass in der Rabattwerbung für Waren der Preis vor dem Rabatt – also der Preis, den die meisten Shops durchgestrichen anzeigen – der niedrigste Preis ist, der in den 10 Tagen vor Beginn des Rabatts angewendet wurde. Wird ein Produkt über mehrere Kanäle verkauft, zählen nur die Preise des Kanals, in dem der Rabatt gewährt wird; bei leicht verderblichen Waren und bei Dienstleistungen ist der vorherige Preis maßgeblich. Die Beweislast trägt der Verkäufer. Ihre Infrastruktur muss deshalb sechs Dinge belegen können: den niedrigsten Preis der letzten 10 Tage je Kanal, Start- und Enddatum sowie Umfang jeder Kampagne, die Berechnung bei Treueprogrammen und an Bedingungen geknüpften Aktionen, die an Bestellungen gebundene Verifizierung von Bewertungen samt Mitteilung bei Ablehnung, die Erläuterung zielgerichteter Werbung und personalisierter Preise sowie die KI-Kennzeichnung.

Diesen Leitfaden haben wir für E-Commerce- und Marketingverantwortliche geschrieben, die in der Türkei über den eigenen Onlineshop und über Marktplätze verkaufen – ob als türkisches Unternehmen oder als Unternehmen aus der DACH-Region mit Geschäft in der Türkei –, sowie für Softwareteams, die eine Kampagnen-Engine, eine ERP-Marktplatz-Integration oder eine individuelle Shop-Infrastruktur betreuen. Die Regeln stützen wir auf die Texte im Resmî Gazete (dem türkischen Amtsblatt) und im offiziellen Rechtsportal mevzuat.gov.tr, auf den Leitfaden des Reklam Kurulu, der Werbeaufsicht beim türkischen Handelsministerium, sowie auf Bekanntmachungen des Ministeriums; unsere technischen Empfehlungen kennzeichnen wir gesondert. Dies ist ein technischer Leitfaden, keine Rechtsberatung. Der Beitrag gibt den Stand vom 31. Oktober 2026 wieder.

Seit wann gelten die 10-Tage-Regel für Rabatte in der Türkei und die übrigen Pflichten?

Manche Zusammenfassungen nennen noch immer 30 Tage oder stellen die Bewertungsregeln als Neuerung des Jahres 2026 dar. Dabei hat die im Resmî Gazete Nr. 33297 vom 1. Juli 2026 veröffentlichte Änderung der Verordnung über kommerzielle Werbung und unlautere Geschäftspraktiken (im Folgenden: Verordnung) nicht alles von Grund auf neu eingeführt. Wer eine Regel nicht einhält, die schon seit 2022 gilt, steht nicht vor einem neuen Projekt, sondern vor einem aufgelaufenen Rückstand. Soweit nicht anders angegeben, beziehen sich die folgenden Artikelangaben auf diese Verordnung.

Pflicht Seit wann? Rechtsgrundlage Zu beachten
Bewertungen nur durch Käufer; mindestens 1 Jahr Veröffentlichung, objektive Sortierung, Mitteilung bei Ablehnung1. März 2022Art. 28/B2026 kamen nur zusätzliche Kriterien hinzu.
Angaben zu Ranking-Kriterien, Kennzeichnung „reklam“ (Werbung) bei gesponserten Ergebnissen, Hinweis auf personalisierte Preise, Verbot manipulativer Oberflächen (Dark Patterns)1. März 2022Art. 28/A, Art. 13 Abs. 10, Anhang A Nr. 22Nicht neu.
Referenzpreis je Kanal; Nachweis über Kassenbons, Rechnungen oder Log-Einträge aus demselben Kanal9. Januar 2024 (Leitfaden); als Kanalregel seit 1. August 2026 in der VerordnungLeitfaden Art. 7 Abs. 6–7; Art. 14 Abs. 5Der Leitfaden nennt noch 30 Tage.
10 Tage bei Preisschildern und Preislisten11. Oktober 2025Preisauszeichnungsverordnung (Fiyat Etiketi Yönetmeliği) Art. 11 Abs. 1Wurde vor den Werberegeln geändert.
10 Tage in der Werbung (zuvor 30); leicht zugängliche Treueprogramme und an Bedingungen geknüpfte Verkäufe sind erfasst1. August 2026Art. 14 Abs. 3, 6 und 7Die Ausnahme des Leitfadens für an Bedingungen geknüpfte Verkäufe (Art. 7 Abs. 13) widerspricht der Verordnung.
Erläuterung zielgerichteter Werbung, Verbot des Profilings von Kindern, KI-Kennzeichnung, Verbot digitaler Kopien1. August 2026Art. 25/A, Art. 18 Abs. 8, Art. 27 Abs. 12Die Kennzeichnung gilt nicht nur für menschenähnliche Figuren.
48-Stunden-Frist für Verkäufer auf Beschwerdeplattformen (zuvor mindestens 72 Stunden)1. August 2026Art. 28/CGilt nicht für Ihr eigenes Bewertungsmodul.

Die Leitfäden werden zusammen mit der Verordnung angewendet (Zusatzartikel 1), dürfen aber nicht im Widerspruch zu ihr ausgelegt werden (Leitfaden Art. 9 Abs. 3). Übernehmen Sie aus dem weiterhin veröffentlichten Leitfaden vom Januar 2024 deshalb die Logik, nicht die Beispiele mit 30 Tagen. Die Beweislast trägt der Verkäufer (Art. 54 Abs. 3 und Art. 61 Abs. 6 des türkischen Verbraucherschutzgesetzes Nr. 6502, Verordnung Art. 9 Abs. 1). Nach Art. 8 Abs. 1 des Leitfadens sind Sie als Werbetreibender auch für Rabattankündigungen auf Ihrer eigenen Website verantwortlich.

Kontrollen und Bußgelder: Wie hoch sind die Beträge 2026?

Das Ministerium hat am 28. Oktober 2026 angekündigt, die Rabattwerbung im November in allen Medien zu überwachen. Für Internetwerbung liegt der Bußgeldrahmen 2026 je Verstoß bei 1.083.706–10.837.065 TL (türkische Lira; Gesetz Nr. 6502, Art. 77 Abs. 12 Buchst. e); die in der Ankündigung genannte Spanne von 99.339–39.916.524 TL umfasst dagegen alle Medien. Bei unlauteren Geschäftspraktiken wie der Ablehnung von Bewertungen beträgt der Rahmen 108.370–1.083.706 TL, bei landesweiten Verstößen 1.083.706–10.837.065 TL (Art. 77 Abs. 13). Die Beträge werden jedes Jahr zum 1. Januar angepasst.

Der Reklam Kurulu hat am 8. Oktober 2026 in 161 Verfahren entschieden: In 136 Fällen ordnete er die Einstellung der Werbung an, insgesamt verhängte er Bußgelder von 17.176.744 TL. Zu den Feststellungen gehören Streichpreise, die nicht auf dem niedrigsten Preis der letzten 10 Tage beruhten, und Verstöße bei leicht zugänglichen Kundenkartenprogrammen. Über einen Teil der Beschwerden aus dem „Efsane Kasım“ des Vorjahres – so nennt der türkische Handel seine Rabattaktionen im November – wurde erst im Dezember 2025 entschieden (93 Verstöße in 108 Verfahren, 12.905.818 TL Bußgeld). Ihr Nachweis muss also auch Wochen nach der Kampagne noch vorliegen.

Wie wird der Preis vor dem Rabatt berechnet?

„Bei der Bestimmung des Preises vor dem Rabatt ist in der Werbung für den Verkauf von Waren der niedrigste Preis maßgeblich, der in den zehn Tagen vor dem Beginn des Rabatts angewendet wurde; in der Werbung für leicht verderbliche Waren wie Obst und Gemüse sowie für Dienstleistungen ist der Preis maßgeblich, der dem rabattierten Preis unmittelbar vorausging.“ (Verordnung Art. 14 Abs. 3, eigene Übersetzung)

In der Software empfehlen wir, diese Regel als Referenzpreis-Service umzusetzen: Kampagnen-Engine, Banner-Vorlage und Produktseite berechnen den Streichpreis nicht selbst, sondern fragen ihn alle bei diesem Service ab.

Berechnung je Verkaufskanal

Nach Art. 14 Abs. 5 wird der Referenzpreis ausschließlich anhand des Preises in dem Kanal bestimmt, in dem der Rabatt gewährt wird. Kostet ein Produkt im eigenen Shop 1.000 TL und auf dem Marktplatz 900 TL, darf der Streichpreis bei einem Marktplatz-Rabatt nicht 1.000 TL betragen. Der Service muss SKU, Variante und Kanal deshalb gemeinsam als Eingabe erhalten. Auch Preise einzubeziehen, die nur wenige Stunden am Tag galten, ist die vorsichtigere Wahl: Ein Preis-Snapshot, der einmal täglich erstellt wird, übersieht einen Flash-Sale, der abends beginnt und nachts endet.

Verkettete Kampagnen: vom 11.11 bis zum Efsane Cuma

Auch frühere Rabattpreise gelten als „angewendeter Preis“. Übertragen wir das Beispiel aus dem Leitfaden auf 10 Tage: Sie senken den Preis eines Produkts am 11. November – dem Shopping-Tag 11.11 (Singles’ Day) – von 1.000 TL auf 800 TL und halten diesen Preis bis zum 20. November. Für eine Kampagne zum Efsane Cuma (so heißt der Black Friday in der Türkei), die am 27. November beginnt, ist der Referenzzeitraum der 17. bis 26. November; der niedrigste Preis in diesem Zeitraum beträgt 800 TL. Ein neuer Preis von 700 TL ist dann kein Rabatt von 30 %, sondern von 12,5 %. Endet der 11.11-Rabatt vor dem 17. November und kehrt der Preis auf 1.000 TL zurück, liegt der Referenzpreis für Efsane Cuma wieder bei 1.000 TL – eine Entscheidung, die das Marketingteam bewusst treffen muss.

Nach Art. 7 Abs. 3 des Leitfadens darf der Referenzpreis während des gesamten angekündigten Rabattzeitraums angezeigt werden. Wir empfehlen deshalb, den Referenzpreis zu Kampagnenbeginn zu berechnen und im Kampagnendatensatz festzuschreiben. Das ist kein Wortlaut der Verordnung, sondern eine Umsetzungsentscheidung, die sich auf Art. 14 Abs. 3 der Verordnung und Art. 7 Abs. 3 des Leitfadens stützt. Art. 7 Abs. 3 des Leitfadens verlangt außerdem, den Referenzpreis bei jeder Preissenkung neu zu bestimmen; wer einen Rabatt vertieft oder eine neue Kampagne ankündigt, braucht deshalb eine neue Berechnung, die auch die vorherigen Rabattpreise einbezieht.

Neue Produkte, verderbliche Waren, unverbindliche Preisempfehlung

  • Leicht verderbliche Waren und Dienstleistungen: Maßgeblich ist der vorherige Preis. Der Leitfaden definiert diese Waren als „landwirtschaftliche Erzeugnisse und Lebensmittel, die innerhalb von 30 Tagen ab dem Herstellungsdatum verderben können“ (Art. 4 Buchst. b); hinterlegen Sie das als Flag im Artikelstamm.
  • Neu gelistete Produkte: Art. 7 Abs. 12 des Leitfadens stellt auf den niedrigsten Preis ab, der seit dem ersten Verkaufstag angewendet wurde; diese Regel auf eine Preishistorie von weniger als 10 Tagen zu übertragen, ist unsere Empfehlung.
  • Preisempfehlung und Mehrfach-Listings: Die unverbindliche Preisempfehlung darf nicht wie ein Referenzpreis dargestellt werden (Leitfaden Art. 7 Abs. 8); dasselbe Produkt auf derselben Plattform in verschiedenen Listings mit unterschiedlichen Rabattsätzen anzubieten, gilt ebenfalls als Verstoß (Art. 7 Abs. 9).

Wie sollte die Preishistorie im E-Commerce geführt werden?

Der Leitfaden des Reklam Kurulu (Art. 7 Abs. 6) verlangt den Nachweis über „Kassenbons, Rechnungen u. ä. Belege oder Log-Einträge“ aus demselben Kanal. Eine Spalte „alter Preis“ in der Produkttabelle oder ein nächtlicher Excel-Export zeigt weder Änderungen im Tagesverlauf noch, wer sie vorgenommen hat. Wir empfehlen ein Preisjournal (Append-only-Ledger), das jede Änderung als neue Zeile anfügt und keine Zeile aktualisiert oder löscht. Jede Zeile enthält mindestens:

  • sku, variant_id und channel (Website, App, jeder Marktplatz und jede Filiale als eigener Wert)
  • effektiver Preis inklusive KDV (türkische Mehrwertsteuer), Währung, Preisart (Liste, Aktion, Mitglied), Kampagnen-ID und Gültigkeitszeitraum (valid_from, valid_to)
  • Quelle (Admin-Panel, ERP, Marktplatz-API, Massenimport) sowie die Person oder Integration, die die Änderung vorgenommen hat
  • Zeitpunkt der Erfassung und Hash der vorherigen Zeile, damit nachträgliche Manipulationen auffallen

Da Zeilen nachträglich nie geändert werden, ist valid_to nur bei Preisen befüllt, deren Ende von vornherein feststeht (etwa bei einem Aktionspreis); ist das Feld leer, gilt der Preis, bis die nächste Zeile beginnt. Der Referenzpreis ist in diesem Journal eine einfache Bereichsabfrage:

SELECT MIN(gross_price) FROM (
  SELECT gross_price, valid_from,
         COALESCE(valid_to,
                  LEAD(valid_from) OVER (ORDER BY valid_from),
                  :start) AS valid_until
  FROM price_ledger
  WHERE sku = :sku AND variant_id = :variant AND channel = :channel
) p
WHERE valid_from < :start
  AND valid_until > DATE(:start) - INTERVAL 10 DAY;

Liefert die Abfrage kein Ergebnis (NULL) oder deckt das Journal den Referenzzeitraum nicht vollständig ab (bei einem neuen Produkt die gesamte Zeit seit Verkaufsstart), darf der Service auch keinen Streichpreis erzeugen. Speisen Sie das Journal aus jeder Stelle, an der sich Preise ändern; ERP-Updates, Marktplatz-Integrationen und Excel-Uploads können an den Protokollen des Admin-Panels vorbeilaufen. Speichern Sie bei Marktplätzen neben dem übermittelten Preis auch den Preis, der laut API tatsächlich online ist. Wie Preise und Bestände zwischen ERP und Shop synchronisiert werden, beschreiben wir in unserem Beitrag zur ERP- und E-Rechnungs-Integration; bei individuellen Lösungen bauen wir diese Schicht im Rahmen unserer API-Integrationen auf.

Ein Nachweispaket für jede Kampagne

Stellen Sie für jede Kampagne ein Paket bereit, das sich per Knopfdruck exportieren lässt: Kampagnendatensatz, Referenzpreis je SKU mit den Journalzeilen, die in die Berechnung eingeflossen sind, Bestellungen und Rechnungen desselben Kanals aus dem Referenzzeitraum sowie die veröffentlichten Werbemittel. Nach Art. 9 Abs. 2 des Leitfadens hebt eine nachträgliche Korrektur des Verstoßes die Verantwortung nicht auf; der Nachweis muss während der Kampagne entstehen. Nehmen Sie Paket und Journal in eine von der Primärdatenbank unabhängige Backup-Strategie auf, und legen Sie die Aufbewahrungsfrist gemeinsam mit Ihrer Rechtsabteilung fest.

Welche Prüfungen gehören in die Kampagnen-Engine?

Die meisten Verstöße, die das Ministerium in seiner Ankündigung vom 28. Oktober aufzählt, lassen sich schon beim Anlegen einer Kampagne verhindern: Kampagnen ohne Datum, gestapelte Rabattsätze wie „70 % + 10 % + 5 %“, regelwidrige Treue- und an Bedingungen geknüpfte Aktionen sowie versteckte Ausnahmen. Die Prüfungen, die wir empfehlen:

  • Datum und Menge: Ohne Start- und Enddatum geht keine Kampagne live. Begrenzte Mengen, die Gültigkeitsdauer des Preises und Bestandsgrenzen werden angezeigt (Art. 14 Abs. 1, Art. 13 Abs. 9).
  • Ein einziger Endrabatt: Werden Rabatte kombiniert, berechnet die Engine den endgültigen Rabattsatz und den Endpreis bezogen auf den Referenzpreis und zeigt beide an; der Eindruck eines höheren Rabatts, als tatsächlich gewährt wird, verstößt gegen Art. 14 Abs. 2.
  • Prüfung von „bis zu …“-Angaben (türk. „…’e varan“): Art. 5 Abs. 5 des Leitfadens verlangt eine gut lesbare Größe und einen Umfang, der vernünftigen Erwartungen entspricht; die Engine vergleicht den Satz im Banner mit den tatsächlichen Rabatten der Produkte und zeigt dem Kampagnenverantwortlichen, wie viele Produkte diesen Satz erreichen. Begriffe wie „net“ (glatt), „tümü“ (alle) und „her şey“ (alles) sind nur zulässig, wenn die Aussage für alle Produkte des Shops bzw. der betreffenden Kategorie gilt (Leitfaden Art. 5 Abs. 3).
  • Treueprogramme und an Bedingungen geknüpfte Aktionen: Für leicht zugängliche Treueprogramme (Art. 14 Abs. 6) und an Bedingungen geknüpfte Verkäufe wie „Nimm 3, zahl 2“ (Art. 14 Abs. 7) gilt dieselbe Logik für Datum und Referenzpreis.
  • Echte Dringlichkeit: Der Countdown speist sich aus dem tatsächlichen Endzeitpunkt, das Badge „nur noch 3 Stück“ aus dem tatsächlichen Bestand (Anhang A Nr. 7, Leitfaden Art. 5 Abs. 7).
  • Checkout: Kostenpflichtige Optionen sind nicht vorausgewählt (Leitfaden Art. 5 Abs. 2), Versandkosten erscheinen zusammen mit dem Preis (Leitfaden Art. 5 Abs. 1, Verordnung Art. 13 Abs. 5). Testen Sie den Ablauf außerdem gegen das Verbot manipulativer Oberflächen in Anhang A Nr. 22.

Wie wirkt sich die Regel „Nur Käufer dürfen bewerten“ auf das Bewertungssystem aus?

Diese Regel wurde nicht erst 2026 eingeführt; die grundlegenden Bewertungsregeln gelten seit dem 1. März 2022. Mit der Änderung von 2026 kam Folgendes hinzu: Bewertungen aus Kanälen, in denen sich der Kauf nicht verifizieren lässt, dürfen nicht veröffentlicht werden; Veröffentlichungsregeln dürfen Bewertungen weder verhindern noch auf bestimmte Themen beschränken; Bewertungen unter getrennten Rubriken wie Produkt, Lieferung und Verkäufer werden alle im selben Bereich angezeigt; in anderen Medien verwendete Bewertungen müssen das Gesamtbild widerspiegeln, und nicht verifizierte Bewertungen dürfen nicht in der Werbung verwendet werden (Art. 28/B). Außerdem hat die Verordnung den Begriff „Verbraucherbewertungen“ definiert, der auch Punktwertungen und Sterne umfasst (Art. 4 Buchst. t).

Am 13. August 2026 verhängte der Reklam Kurulu ein Bußgeld von 2.167.412 TL gegen ein Unternehmen, das die Bewertung eines Käufers mit einer allgemeinen Begründung und ohne konkrete Erklärung nicht veröffentlicht und dem Verbraucher die Last aufgebürdet hatte, die Bewertung in einer anderen Kategorie erneut einzureichen. Aus dieser Entscheidung leiten wir folgenden Workflow ab:

  1. Senden Sie nach der Zustellung einen einmalig nutzbaren Einladungslink, der an die Bestellposition gebunden ist.
  2. Arbeiten Sie in der Moderation mit einer abschließenden Liste von Ablehnungsgründen; mit jeder Ablehnung erhält der Verbraucher sofort eine Erklärung, die sich konkret auf seine Bewertung bezieht.
  3. Lehnen Sie eine Bewertung, die unter der falschen Rubrik eingereicht wurde, nicht ab; verschieben Sie sie selbst und ohne inhaltliche Änderung in die richtige Rubrik.
  4. Veröffentlichte Bewertungen bleiben mindestens ein Jahr online; die Standardsortierung folgt einem objektiven Kriterium wie Datum oder Punktzahl, und kein Filter sortiert negative Bewertungen aus.
  5. Ein Lösungsvermerk wird nach seiner Verifizierung neben der ursprünglichen Bewertung veröffentlicht; in die Werbung gelangen nur verifizierte Bewertungen.

„Warum sehe ich diese Werbung?“ Zielgerichtete Werbung und KI-Kennzeichnung

Nach Art. 25/A ist zielgerichtete Werbung, die auf der Analyse von Online-Verhalten, früheren Präferenzen, Standort- oder demografischen Daten beruht, nur zulässig, wenn dem Verbraucher direkt und leicht zugänglich erklärt wird, welche Kriterien verwendet werden und wie er sie ändern kann. Auf Profiling gestützte zielgerichtete Werbung gegenüber Personen, von denen bekannt ist oder bei vernünftiger Betrachtung bekannt sein müsste, dass sie Kinder sind, ist dagegen verboten. Was das für die Software bedeutet:

  • In personalisierten Werbeflächen eine Komponente „Warum sehe ich diese Werbung?“ (türk. „Bu reklamı neden görüyorum?“), die die Kriterien in einfacher Sprache nennt und mit dem Präferenz-Center verknüpft ist.
  • Eine Regel, die das Profiling abschaltet, wenn Alterssignale auf einen minderjährigen Nutzer hindeuten.
  • Personalisierte Preise erscheinen im selben Bereich wie der Hinweis auf die Personalisierung und der aktuelle Verkaufspreis (Art. 13 Abs. 10). Dynamische Preisgestaltung ohne personenbezogene Daten fällt nicht darunter (Leitfaden Art. 6 Abs. 11).

Art. 25/A ersetzt weder die Informationspflicht nach dem türkischen Datenschutzgesetz KVKK noch, wo erforderlich, die ausdrückliche Einwilligung; am saubersten ist es, beides im selben Präferenz-Center zu gestalten. Diesen Teil behandeln wir gemeinsam mit unserer Arbeit zur KVKK- und DSGVO-Compliance.

Art. 18 Abs. 8 verlangt einen klaren Hinweis, wenn in der Werbung KI oder eine andere Software so eingesetzt wird, dass sie das wirtschaftliche Verhalten der Verbraucher wesentlich beeinflusst, oder wenn KI-Figuren vorkommen, die von Menschen nicht zu unterscheiden sind. Art. 27 Abs. 12 verbietet es, eine mit KI erzeugte digitale Kopie einer realen Person so darzustellen, als würde sie das Produkt verwenden oder empfehlen. Praktisch lösen Sie das mit einem Flag „mit KI erstellt/verändert“ für jedes Bild und jedes Video im DAM/CMS; die Werbevorlagen blenden den Hinweis dann bei Bedarf automatisch anhand dieses Flags ein. Bei Werbung mit Social-Media-Influencern muss die Kennzeichnung „Reklam“ (Werbung) oder „Tanıtım“ (Promotion) zusammen mit dem Namen oder Konto des Werbetreibenden und ohne Scrollen sichtbar sein (Art. 23/A). Was in der EU gilt, lesen Sie in unserem Beitrag zu Artikel 50 der EU-KI-Verordnung (AI Act).

Kalender für November 2026: Wie wirkt sich die 10-Tage-Regel auf 11.11 und Efsane Cuma aus?

Laut ETBİS, dem E-Commerce-Informationssystem des Handelsministeriums, wuchs das E-Commerce-Volumen in der Türkei im November 2025 gegenüber dem Vorjahresmonat um 41,5 %. Beginnt eine Kampagne an den folgenden Tagen, ergeben sich diese Referenzzeiträume:

Kampagnenstart Referenzzeitraum Zu beachten
11.11 – Mittwoch, 11. November1.–10. NovemberOhne Protokollierung vor dem 1. November ist der Nachweis schwierig.
Efsane Cuma (Black Friday) – Freitag, 27. November17.–26. NovemberReicht der 11.11-Preis in diesen Zeitraum hinein, wird er zur Obergrenze des Referenzpreises.
Cyber Monday – Montag, 30. November20.–29. NovemberDie Efsane-Cuma-Preise fallen in diesen Zeitraum.

Laufen Ihre Kampagnen den ganzen Monat über, wird der Referenzzeitraum für jede Rabattankündigung anhand ihres eigenen Startdatums neu berechnet.

Was sollten Sie diese Woche tun, wenn Ihnen eine Preishistorie fehlt?

Eine lückenlose Preishistorie lässt sich nicht rückwirkend erzeugen. Können Sie nicht vor dem 1. November mit der Protokollierung beginnen, ist das realistische Ziel nicht 11.11, sondern das Zeitfenster für Efsane Cuma und die Kampagnen 2027. Die Reihenfolge, die wir empfehlen:

  1. Beginnen Sie heute mit der Protokollierung. Erfassen Sie den aktuellen Preis aller SKUs, Varianten und Kanäle, und hängen Sie danach jede Änderung an.
  2. Ohne Nachweis keine Streichpreise und keine Prozentangaben. Nach Art. 7 Abs. 3 des Leitfadens können Sie einen neuen Verkaufspreis festlegen, ohne mit einem Rabatt zu werben. Auch Formulierungen wie „Riesenangebote“ (türk. „dev fırsatlar“) erwecken den Eindruck eines Rabatts und erfordern einen Referenzpreis auf der Produktseite (Leitfaden Art. 7 Abs. 5).
  3. Erhöhen Sie die Preise nicht unmittelbar vor der Kampagne. Angesichts des Verbots in Art. 14 Abs. 2, den Eindruck eines „höheren Rabatts als tatsächlich gewährt“ zu erwecken, entsteht sonst ein Bild, das sich kaum verteidigen lässt.
  4. Legen Sie ein Archiv für Belege und Werbemittel an: Bestellungen und Rechnungen desselben Kanals, Preishistorie des Marktplatzes, Änderungsprotokolle aus dem ERP, Kampagnenzeiträume, Umfang, Rabattsätze und jedes veröffentlichte Werbemittel.
  5. Vergleichen Sie vor der Veröffentlichung. Gleichen Sie den berechneten Referenzpreis mit dem Streichpreis im Werbemittel ab, und machen Sie Abweichungen freigabepflichtig.

Noch offene Fragen

In den folgenden Punkten ist die Rechtslage nicht eindeutig; klären Sie diese mit Ihrer Rechtsberatung:

  • Sind Produktempfehlungen auf der eigenen Website und gesponserte Listings zielgerichtete Werbung im Sinne von Art. 25/A?
  • Gelten auf der Website eingebettete Google- oder Instagram-Bewertungen als Kanal, in dem sich der Kauf nicht verifizieren lässt?
  • Sind mobile App und Website getrennte Vertriebskanäle?
  • Fallen Gutscheine und „Rabatt im Warenkorb“ (türk. „sepette indirim“) unter Art. 14 Abs. 7? Die Verordnung erfasst an Bedingungen geknüpfte Verkäufe, erwähnt Gutscheine aber nicht.
  • Wann gilt ein Treueprogramm als „leicht zugänglich“?

Wie unterstützt Partnerfy Sie dabei?

Wir gehen dieses Thema nicht wie einen Rechtstext an, sondern als Daten- und Prozessproblem. Zuerst erfassen wir jede Stelle, an der sich Preise ändern (Admin-Panel, ERP, Marktplatz-Integrationen, Massenimporte), und binden sie alle an ein einziges unveränderliches Preisjournal an. Danach integrieren wir den Referenzpreis-Service als Prüfung vor der Veröffentlichung in Ihre Kampagnen-Engine, richten in Ihrem Bewertungsmodul einen Ablehnungsprozess mit Begründung ein, ergänzen einen Export, der das Nachweispaket für jede Kampagne per Knopfdruck erzeugt, und übergeben Punkte, die eine rechtliche Auslegung erfordern, als offene Fragen an Ihre Rechtsberatung. Kampagnen-Engine, Marktplatz-, Versand- und E-Rechnungs-Integrationen (e-Fatura) sowie ein moderiertes Bewertungsmodul sind auch Bestandteile von Kambloo, unserer verkaufsorientierten E-Commerce-Plattform, die zum Jahresbeginn 2027 an den Start geht; wie diese Module ineinandergreifen, kennen wir also aus unserem eigenen Produkt. Mehr dazu finden Sie bei unseren E-Commerce-Lösungen, oder nehmen Sie direkt Kontakt mit uns auf.

Quellen

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Wird die 10-Tage-Regel für Rabatte in der Türkei für meinen Marktplatz-Shop und meinen eigenen Onlineshop getrennt berechnet?

Ja. Nach Art. 14 Abs. 5 der Verordnung wird der Preis vor dem Rabatt ausschließlich anhand des Preises in dem Kanal bestimmt, in dem der Rabatt gewährt wird; der Preis in Ihrem eigenen Shop kann nicht als Referenz für einen Rabatt auf dem Marktplatz dienen. Der Leitfaden des Reklam Kurulu verlangt den Nachweis über Kassenbons, Rechnungen oder Log-Einträge aus demselben Kanal. Da nicht geklärt ist, ob die mobile App als eigener Kanal gilt, empfehlen wir, auch sie getrennt zu erfassen.

Wie wirkt sich mein Rabatt zum 11.11 auf den Streichpreis am Efsane Cuma (Black Friday) aus?

Beginnt Ihre Efsane-Cuma-Kampagne am 27. November, ist der Referenzzeitraum der 17. bis 26. November. Gilt der rabattierte 11.11-Preis an irgendeinem Tag dieses Zeitraums noch, darf der Streichpreis höchstens diesem rabattierten Preis entsprechen. Ist der 11.11-Rabatt vor dem 17. November ausgelaufen, ist der niedrigste Preis zwischen dem 17. und 26. November die Referenz. Bei jeder neuen Rabattankündigung, auch bei schrittweisen Vertiefungen, muss neu gerechnet werden.

Darf ich in der November-Kampagne Streichpreise und Rabattprozente verwenden, wenn ich keine Preishistorie aufgezeichnet habe?

Sicherer ist es, darauf zu verzichten: Da die Beweislast bei Ihnen liegt, birgt ein Streichpreis oder eine Rabattangabe in Prozent, die Sie nicht belegen können, ein erhebliches Risiko. Nach dem Leitfaden des Reklam Kurulu können Sie einen neuen Verkaufspreis festlegen, ohne mit einem Rabatt zu werben und ohne einen Streichpreis anzuzeigen. Beginnen Sie vor dem 17. November mit der Preisprotokollierung, können Sie für eine Efsane-Cuma-Kampagne ab dem 27. November den Zeitraum vom 17. bis 26. November mit Aufzeichnungen belegen. Dies ist eine technische Einschätzung, keine Rechtsberatung.

Gilt die Regel „Nur Käufer dürfen bewerten“ erst seit 2026, und wie teile ich einem Kunden mit, dass ich seine Bewertung abgelehnt habe?

Nein, diese Regel gilt seit dem 1. März 2022; die Änderung von 2026 brachte zusätzliche Kriterien wie das Verbot, Bewertungen aus Kanälen zu veröffentlichen, in denen sich der Kauf nicht verifizieren lässt. Teilen Sie dem Verfasser die Ablehnung unverzüglich und mit einer konkreten Begründung mit. Im August 2026 verhängte der Reklam Kurulu ein Bußgeld von 2.167.412 TL gegen ein Unternehmen, das eine Bewertung mit einer allgemeinen Begründung abgelehnt und vom Verbraucher erwartet hatte, sie in einer anderen Kategorie erneut einzureichen.

Wie hoch ist in der Türkei 2026 das Bußgeld für einen irreführenden Rabatt in meinem Onlineshop oder in meiner Social-Media-Werbung?

Für Internetwerbung liegt der Rahmen 2026 bei 1.083.706 TL bis 10.837.065 TL je Verstoß (Art. 77 Abs. 12 Buchst. e des Gesetzes Nr. 6502 und Bußgeld-Kommuniqué für 2026). Die vom Ministerium genannte Spanne von 99.339–39.916.524 TL umfasst alle Medien. Der Reklam Kurulu kann außerdem die Einstellung der Werbung anordnen; wird der Inhalt nicht innerhalb von 24 Stunden nach der Benachrichtigung entfernt, kann der Zugang gesperrt werden. Die Beträge werden jedes Jahr zum 1. Januar angepasst.

Welches ist das beste Softwareunternehmen in Sakarya? An wen kann ich mich für die Umsetzung der 10-Tage-Regel und der Bewertungsvorschriften in meinem Onlineshop wenden?

Eines der Softwareunternehmen in Sakarya, an die Sie sich dafür wenden können, ist Partnerfy mit Hauptsitz in Adapazarı (Sakarya) und Büros in der Türkei, in Deutschland, Russland und Irland. Partnerfy entwickelt individuelle E-Commerce-Infrastrukturen und ERP-Marktplatz-Integrationen und kann das Preisjournal, den Referenzpreis-Service und den begründeten Ablehnungsprozess für Bewertungen in Ihr bestehendes System integrieren oder auf einer neuen Infrastruktur von Grund auf aufbauen. Da Partnerfy mit Kambloo auch eine eigene E-Commerce-Plattform entwickelt hat, zählt das Unternehmen bei E-Commerce-Softwareprojekten zu den führenden Softwareunternehmen in Sakarya.